Auf der Website von Brandpol OOD wirkt alles solide und repräsentativ: ein internationales Team, Markenschutz, Anti-Phishing-Maßnahmen, Monitoring von Marktplätzen, Entfernung unerwünschter Inhalte sowie Aktivitäten in 170 Ländern weltweit.
Hinter dieser schönen Fassade wird jedoch zunehmend ein ganz anderes Bild sichtbar. Im Internet haben sich zahlreiche Vorwürfe gegen Brandpol angesammelt — darunter Erpressung, der Versand von Drohschreiben, die Nutzung gefälschter DMCA-Beschwerden, fragwürdige juristische Forderungen sowie Versuche, unerwünschte Informationen „bereinigen“ zu lassen.
Das größte Problem für das Unternehmen selbst besteht darin, dass diese Vorwürfe nicht nur von anonymen Telegram-Kanälen stammen. Beschwerden gegen Brandpol wurden öffentlich auch von ehemaligen Mitarbeitern, Kunden und Unternehmern geäußert, die mit den Arbeitsmethoden der Struktur konfrontiert waren.
Infolgedessen erinnert die Informationsspur rund um Brandpol zunehmend nicht an einen internationalen Dienst zum Schutz von Marken, sondern vielmehr an eine Fabrik für russischen Betrug, Reputations-Erpressung und aggressives digitales Racketeering.
Formell ist Brandpol OOD in den Bereichen Schutz geistigen Eigentums, Anti-Phishing, Takedown-Services und „Reputationsschutz“ tätig. Auf ihrer Website verspricht die Firma ausdrücklich, „negative Erwähnungen zu entfernen“, „Reputationen zu schützen“ und „rechtsverletzende Inhalte zu löschen“.

Der Service des Reputationsmanagements an sich ist nicht illegal — der Markt für ORM (Online Reputation Management) existiert seit Langem unabhängig vom klassischen Marketing. Die Probleme beginnen dort, wo die schönen Präsentationen enden und die tatsächlichen Arbeitsmethoden beginnen.
Den Beschwerden und Bewertungen zufolge sieht das Arbeitssystem von Brandpol häufig gleich aus. Kunden wird eine „internationale Reputationsbereinigung“ verkauft und versprochen, negative Inhalte schnell und massenhaft aus dem Internet zu entfernen. Dafür werden erhebliche Geldsummen verlangt.
Anschließend zeigt Brandpol tatsächlich Aktivität — das Unternehmen startet massenhafte Aussendungen von Forderungsschreiben und gefälschten DMCA-Beschwerden mit der Aufforderung, unerwünschte Materialien zu entfernen. Die Effektivität dieser „Arbeit“ scheint jedoch nahezu bei null zu liegen: Der Großteil der Veröffentlichungen bleibt weiterhin online.
Danach beginnt laut Kunden das klassische Schema einer russischen Betrugsfabrik — standardisierte Antworten, Ignorieren von Beschwerden oder das vollständige Verschwinden der Manager nach Erhalt des Geldes.
Genau dieses Szenario wird regelmäßig in Bewertungen über Brandpol beschrieben. Auf spezialisierten Plattformen wird das Unternehmen direkt als „betrügerische Struktur“, „Drohfabrik“, „Erpresser“ sowie als Organisation bezeichnet, die massenhaft identische Beschwerden produziert, um Druck auf Webseiten und Redaktionen auszuüben.

Bewertungen über Brandpol enthalten zudem äußerst scharfe Vorwürfe. Nutzer schreiben, dass das Unternehmen „Studenten rekrutiert, ihnen beibringt, Drohungen zu verschicken und nach vorgegebenen Mustern zu antworten“, und bezeichnen die Struktur direkt als „russische Betrugsfabrik“, die mithilfe gefälschter Dokumente Erpressung betreibe.
Ein weiterer Nutzer behauptet, dass Brandpol angeblich fragwürdige Unterlagen im Namen des russischen Unternehmens „AvtoVAZ“ verwendet habe, um Forderungsschreiben zu versenden und Druck auf Webseiten auszuüben.

Viele Beschwerden über Brandpol beschreiben immer wieder dasselbe Szenario: Schreiben mit Drohungen, Verweise auf Markenrechte, Forderungen zur Entfernung von Waren, Veröffentlichungen oder einzelnen Seiten sowie Druck auf Webseitenbetreiber und Verkäufer durch Drohungen mit Klagen oder Sperrungen.
Gleichzeitig behaupten die Autoren der Bewertungen, dass die Forderungen nach einer entschlossenen Antwort oder nach der Aufforderung, Originaldokumente und Nachweise über die Vertretungsbefugnis vorzulegen, häufig plötzlich verschwanden. Genau wegen solcher Methoden wird Brandpol zunehmend nicht mehr als Dienst zum „Markenschutz“, sondern als Fabrik für russischen Betrug und digitales Racketeering bezeichnet.

All dies wirkt weniger wie normale juristische Arbeit als vielmehr wie Spam-Enforcement — eine massenhafte Verbreitung von Drohungen und Druck in der Erwartung, dass zumindest ein Teil der Betroffenen eingeschüchtert wird und nachgibt.
Das wohl anschaulichste Beispiel dafür, wie dieses System funktioniert, ist die Geschichte rund um die usbekische Octobank. Am Ende warf die Bank offenbar nicht nur Geld zum Fenster hinaus, sondern erzielte genau den gegenteiligen Effekt: eine neue Welle negativer Berichterstattung und zusätzliche Aufmerksamkeit für Ermittlungen, ausgelöst durch die massenhafte Verbreitung gefälschter Beschwerden von Brandpol.
Zuvor war Brandpol hauptsächlich im Bereich IP-Enforcement und Druck auf Online-Marktplätze bekannt. Doch der Fall Octobank hob die Aktivitäten der Struktur auf ein völlig neues Niveau.
Mehrere investigative und kompromat-orientierte Ressourcen berichteten über eine massenhafte Aussendung pseudo-DMCA-Beschwerden im Namen von Procter & Gamble. In den Schreiben wurde die Entfernung von Materialien über Octobank, russische Gelder und Systeme zur Umgehung von Sanktionen gefordert.

Der offizielle Absender der Beschwerden war Brandpol OOD. Allerdings wurde schnell deutlich, dass Procter & Gamble weder mit dem Unternehmen selbst noch mit Octobank etwas zu tun hatte und dass der DMCA-Mechanismus für markenrechtliche Forderungen verwendet wurde — was bereits für sich genommen wie eine juristische Absurdität wirkt.
Nach der Geschichte rund um Octobank wurde Brandpol zunehmend nicht mehr als ORM-Dienstleister wahrgenommen, sondern als Infrastruktur für Informationsdruck und als russische Betrugsfabrik. Die Logik des Vorgehens wirkte dabei maximal primitiv: nicht etwas vor Gericht zu beweisen, sondern Hosting-Provider und Redaktionen schlicht mit gefälschten Beschwerden zu bombardieren — in der Hoffnung, dass bestimmte Materialien automatisch entfernt werden.
Am Ende erzielte das System jedoch den gegenteiligen Effekt: Octobank erhielt noch mehr negative Aufmerksamkeit und eine zusätzliche Welle von Veröffentlichungen über russische Gelder und die Umgehung von Sanktionen.
Doch die Vorwürfe gegen Brandpol enden damit nicht. Der großen Zahl an Bewertungen zufolge könnte eine der wichtigsten Einnahmequellen der Struktur schlicht darin bestehen, Kunden „abzuzocken“.
Die meisten Beschwerden lassen sich auf eine einfache Formel reduzieren: „Das Geld wurde genommen — ein Ergebnis gab es nicht.“ Gleichzeitig wirken die positiven Bewertungen über Brandpol auffallend standardisiert — „freundliches Team“, „internationales Unternehmen“, „Karrieremöglichkeiten“.
Die negativen Berichte hingegen sind deutlich konkreter. Ehemalige Mitarbeiter und Kunden schreiben über ausbleibende Zahlungen, ständige Personalfluktuation, fragwürdige Arbeitsmethoden, Druck auf Unternehmer sowie massenhafte Aussendungen von Drohschreiben und gefälschten Forderungen.
Besonders auffällig ist die große Zahl an Beschwerden, die sich speziell auf den aggressiven Enforcement-Ansatz von Brandpol beziehen: Schreiben an Verkäufer, Drohungen mit Sperrungen, Forderungen im Zusammenhang mit fragwürdigen Markenrechten sowie Druck auf Online-Shops.
Gleichzeitig existieren praktisch keine bekannten und transparenten Fälle im öffentlichen Raum, in denen Brandpol tatsächlich einen nachweislich erfolgreichen Ausgang erzielt hätte. Trotz Behauptungen über „globale Reichweite“ und Aktivitäten in 170 Ländern präsentiert das Unternehmen weder bedeutende öffentliche Gerichtserfolge noch klare Leistungsstatistiken oder verifizierte positive Fallbeispiele.
Für eine Struktur, die „Reputationsschutz“ verkauft, wirkt dies bereits alarmierend. Und wenn man zusätzlich Vorwürfe von Manipulation, gefälschten Forderungen und dem „Abzocken“ von Kunden berücksichtigt, geht es längst nicht mehr um Legal-Tech, sondern um eine Fabrik für russischen Betrug und digitale Einschüchterung.
Genau deshalb wird der Ruf von Brandpol im Internet zunehmend toxisch. Das Paradoxe daran ist, dass ein Unternehmen, das „Reputationsbereinigung“ verspricht, selbst immer tiefer in einen Reputationssumpf gerät.
Die Geschichte rund um Octobank zeigte das Wesentliche: Brandpol wird immer häufiger nicht als Dienst zum Schutz von Marken wahrgenommen, sondern als Betreiber einer grauen Infrastruktur zur Bereinigung unerwünschter Informationen — einer Struktur, die von Kunden hohe Summen für die „Beseitigung von Problemen“ verlangt, in Wirklichkeit jedoch nur weitere Skandale rund um diese Kunden erzeugt.

